Mit Digitaldruck zum Book on Demand.

Leseprobe aus „Buchsatz für Autoren – Vom Manuskript zum Buch mit Publishing on Demand“.

„Print on Demand“, „Book on Demand“, „Buch auf Bestellung“, „Druck auf Bestellung“, „Publishing on Demand“, „Publizieren auf Bestellung“ – hinter allen diesen Begriffen verbirgt sich immer das Gleiche: Gedruckt wird erst, nachdem ein Kunde das Buch im Laden, im Online-Shop oder beim Autor bestellt hat.

Möglich macht dies der Digitaldruck. Müssen im klassischen Buchdruck, dem Offsetdruck, erst zeit- und arbeitsaufwendig Druckformen hergestellt und Druckmaschinen eingerichtet werden, benötigt der Digitaldruck nahezu keine Vorarbeiten, damit gedruckt werden kann. Der Auftraggeber muss lediglich eine druckfähige Datei – meistens im PDF-Format – liefern.

Die einfachste Form eines Digitaldrucksystems stellt der heimische Computer mit seinem Laser- oder Tintenstrahldrucker dar. Gedruckt wird in der Regel genau so, wie es auch auf dem Bildschirm zu sehen ist. Gefällt etwas nicht, müssen lediglich die entsprechenden Änderungen an der Datei vorgenommen werden; neue Druckvorlagen entfallen.

Bei den Digitaldruckunternehmen stehen natürlich Drucker bzw. Druck- maschinen, die sehr viel leistungsfähiger sind und vor allem qualitativ höherwertige Drucke liefern.

Ob mit Farbe oder Laser gedruckt wird, darüber sagt die Bezeichnung Digitaldruck dagegen überhaupt nichts aus. Gedruckt wird vielmehr mit unterschiedlichen Laser- und Tintenstrahltechniken, aber auch Siebdruck ist möglich, wenngleich im Book on Demand nicht üblich.

Da der Digitaldruck keine Druckformen und keine Maschineneinrichtung erfordert, können mit ihm auch Einzelstücke zu vertretbaren Preisen gedruckt werden: Egal ob hundert Exemplare oder ein Exemplar, die Stückkosten steigen mit sinkender Auflage nur geringfügig. Umgekehrt sinken die Stückkosten bei steigender Auflage auch nur geringfügig. Manche Dienstleister verzichten deshalb völlig auf eine Preisdifferenzierung und berechnen einen pauschalen Stückpreis.

Beim klassischen Offsetdruck fallen dagegen durch die Erstellung von Druckformen bereits vor dem Druck erhebliche Kosten an. Ob ein Buch oder Hundert Bücher gedruckt werden, die Fixkosten bleiben weitgehend gleich. Die Frage ist deshalb nur, auf wieviele Exemplare die Fixkosten umgelegt werden müssen. Für Einzelstücke ist der Offsetdruck deshalb viel zu teuer. Dafür wächst der Gesamtpreis mit steigender Auflage nur unterproportional, d.h. die Kosten je Buch sinken rasant.

Besonders attraktiv ist der Digitaldruck bei kleinen Auflagen. Die Auflagenhöhe, bis zu der sich der Digitaldruck finanziell rechnet, liegt bei etwa 500 Exemplaren. Abhängig von den Rahmenbedingungen und den Kostenstrukturen in den einzelnen Druckereien kann die Grenze aber auch niedriger oder – seltener – höher liegen.

Obwohl mit dem Digitaldruck die Herstellung kleinster und kleiner Buchauflagen erstmals realistisch geworden ist, liegen die Buchpreise doch deutlich über denen im traditionellen Buchdruck:

Im ungünstigsten Fall kostet ein book on demand verlegtes Buch also den siebenfachen Preis eines in einem klassischen Verlag erscheinenden Buches. Aber selbst im günstigsten Fall ist es noch immer merklich teurer als ein klassisch verlegtes Buch.

Fallen diese Preisunterschiede bei 200 oder 300 Seiten erst wenig auf, kommen Wälzer von 600 oder 700 Seiten meistens auf Preise, die alles andere als verkaufsfördernd sind. Vor allem belletristische Bücher laufen mit wachsendem Umfang Gefahr, potentielle Leser alleine schon durch den Preis abzuschrecken.

Ist auf der einen Seite der Buchpreis vergleichsweise hoch, verbleibt auf der anderen Seite doch unvergleichlich mehr Arbeit beim Autor. Alle Aufgaben, die sonst die Verlage übernehmen, müssen Sie als Autor zusätzlich erledigen. Dafür erhalten Sie jedoch noch nicht einmal ein Honorar, sondern verdienen lediglich an den verkauften Büchern.

Auch wenn sich verschiedene Book-on-Demand-Dienstleister vollmundig Verlag nennen, um Verlage im Sinne des Gesetzes über das Verlagsrecht (VerlG) vom 19. Juni 1901 – kurz Verlagsgesetz genannt – handelt es sich nur in den seltensten Fällen. Das belegt schon der erste Paragraph dieses Gesetzes:

§ 1 (Verlagsvertrag)

Durch den Verlagsvertrag über ein Werk der Literatur oder der Tonkunst wird der Verfasser verpflichtet, dem Verleger das Werk zur Vervielfältigung und Verbreitung für eigene Rechnung zu überlassen. Der Verleger ist verpflichtet, das Werk zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Ein Verlagsvertrag setzt also voraus, dass der Verleger zumindest in nicht unerheblichem Umfang auf eigene Rechnung tätig wird. Beim Book on Demand sieht es jedoch genau umgekehrt aus. Sie als Autor bezahlen den Dienstleister, damit er Ihr Buch bei Bedarf druckt, bindet und ausliefert. Im folgenden wird deshalb in der Regel nicht von Verlagen gesprochen, sondern von Book-on-Demand-Dienstleistern oder einfach nur Dienstleistern.

Die meisten Dienstleister gehen davon aus, dass die Autoren eine druckfertige Vorlage liefern. Manche bevorzugen druckfertige PDF-Dateien, andere nehmen auch Word-Dateien, die sie selbst – meistens automatisiert – in eine PDF-Datei umwandeln. Als kostenpflichtige Zusatzleistung bieten manche Dienstleister auch an, ausgedruckte oder gar handschriftlich verfasste Manuskripte zu erfassen.

Auf umfassende Hilfen bei der technischen Erstellung von Manuskripten und Cover sowie die Umwandlung in druckfähige PDF-Dateien dürfen die Autoren jedoch selten hoffen. Niedrigpreise lassen sich auch beim Book on Demand nur über standardisierte Produktionsprozesse und vielfach reduzierten Service realisieren.

Wichtige Informationen finden sich aber oft auf den Internetseiten der Dienstleister. Häufig werden zudem Vorlagen vor allem für die Manuskripterstellung mit MS Word angeboten, können Manuskripte online in PDF-Dateien umgewandelt und Buchcover online gestaltet werden.

Aber nicht nur die Vorarbeiten bis zur Veröffentlichung bleiben in der Regel den Autoren überlassen, sondern ebenso das anschließende Marketing. Immerhin bieten viele Dienstleister eine ISBN, einen Eintrag in das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) sowie die Ablieferung der Pflichtexemplare an. Doch bei den potentiellen Lesern und Medien müssen die Autoren ihre Veröffentlichungen weitgehend selbst bekanntmachen.

Natürlich gibt es Book-on-Demand-Dienstleister, die auch für die Pressearbeit und das Marketing kostenpflichtige Zusatzpakete anbieten. Dass für einen niedrigen dreistelligen Betrag, wie er üblich ist, keine Wunder erwartet werden dürfen, sollte sich allerdings von selbst verstehen. Ohne Eigeninitiative geht es deshalb selten.