Gänsefüßchen und mehr.

Leseprobe aus „Buchsatz für Autoren – Vom Manuskript zum Buch mit Publishing on Demand“.

Seitdem die gängigen Textverarbeitungsprogramme die Möglichkeit bieten, die sogenannten „geraden Anführungszeichen“ automatisch durch typographische zu ersetzen, ist der Missbrauch des Zoll-Zeichens als Anführungszeichen sichtbar zurückgegangen.

Das Problem existiert bereits seit den Schreibmaschinenzeiten. Statt mit Anführungszeichen wurden Schreibmaschinen mit dem Zoll-Zeichen ausgestattet.

Mit der Einführung der Computer wurde dieser Zustand leider nicht geändert. Auf der Taste mit der Ziffer 2 befindet sich als weitere Belegung nicht etwa ein Anführungszeichen, sondern lediglich das Zoll- oder Sekundenzeichen; mit der #-Taste wird dementsprechend auch kein einfaches Anführungszeichen, sondern meistens das Apostroph erreicht.

Im Laufe der Jahre kamen zwar immer mehr Funktions- und Multimedia-Tasten hinzu, aber typographisch sinnvolle Änderungen wurden jedesmal für überflüssig gehalten.

Wer die korrekten Anführungszeichen direkt eingeben möchte, muss in Open Office den Umweg über Einfügen → Sonderzeichen und in MS Word über Einfügen → Symbol → Symbole gehen.

Das obere Anführungszeichen gibt es übrigens sowohl für die doppelten als auch die einfachen Anführungszeichen in zwei Versionen.

Die richtigen doppelten Anführungszeichen sehen im Deutschen unten aus wie die Zahlenfolge 99 („) und oben wie 66 (“). Das „verkehrte“ obere erinnert wie das untere an eine 99 und wird im englischen Schriftsatz als schließendes Anführungszeichen verwendet; das schließende deutsche Anführungszeichen dient im Englischen dagegen als öffnendes Anführungszeichen.

Entsprechend verhält es sich auch mit den einfachen Anführungszeichen. Das öffnende sieht im Deutschen wie eine 9 (,) aus, während das obere an eine 6 (‘) erinnert.

Bei allen Vergleichen mit den Ziffern 6 und 9 ist allerdings zu beachten, dass es keine Vorschriften gibt, wie die Anführungszeichen konkret gestaltet sein müssen. Diese Entscheidung obliegt dem Schriftdesigner.

Während im Zeitungssatz und in Fachbüchern die auch als Gänsefüßchen titulierten klassischen Anführungszeichen dominieren, werden in der Belletristik überwiegend Guillemets verwendet. Um es nicht zu einfach zu machen, wird auch noch zwischen französischen Guillemets – mit den Spitzen nach außen – und deutschen Guillemets – mit den Spitzen nach innen – unterschieden.

Falsch wäre es, statt der echten Guillemets einfach doppelte Größer- und Kleiner-Zeichen zu benutzen, nur weil sie beqüm direkt über die Tastatur erreicht werden können. Die Größer- und Kleiner-Zeichen sind viel zu plump und sehen bei einer Verdoppelung noch plumper aus.

Auch die Guillemets werden nur über Einfügen → Sonderzeichen in Open Office und Einfügen → Symbol → Symbole in MS Word erreicht. In Open Office können sie alternativ auch über die Tastenkombination Strg + x bzw. Strg + y eingegeben werden.

Möchten Sie längere Texte mit typograpischen Anführungszeichen schreiben, lohnt es sich, die Automatismen von Open Office und Word zu nutzen.

Besonders beqüm geht dies mit Open Office. Unter Extras → Auto-Korrektur → Typographische Anführungszeichen sollten sowohl „Doppelte Anführungszeichen“ als auch „Einfache Anführungszeichen“ auf Ersetzen gesetzt werden. Standardmäßig werden dann die klassischen deutschen Gänsefüßchen verwendet.

Möchten Sie stattdessen Guillemets verwenden, lässt sich über einen Klick auf das jeweilige Anführungszeichen ein neues Fenster ähnlich dem bei Einfügen → Sonderzeichen öffnen. Hier können Sie dann das gewünschte Guillemet auswählen.

In MS Word wird die Verwendung typographischer Anführungszeichen unter Format → Autoformat → Optionen → Autoformat während der Eingabe und Format → Autoformat → Optionen → Autoformat eingerichtet. Beide Male muss „Gerade Anführungszeichen durch typographische ersetzen“ aktiviert sein.

Welche Anführungszeichen benutzt werden, wird in MS Word ausschließlich über die Spracheinstellung gesteuert. Eine freie Wahlmöglichkeit haben Sie hier nicht.

Möchten Sie Guillemets verwenden, ist es am einfachsten, erst einmal die üblichen typographischen Anführungszeichen zu benutzen und sie ganz am Schluss der Arbeit außutauschen.

Der einzige zuverlässige Weg führt über das Suchen und Ersetzen. Allerdings können unter Bearbeiten → Ersetzen → Ersetzen keine Sonderzeichen eingegeben werden, so dass ein Umweg notwendig ist.

Dazu werden über Einfügen → Symbol → Symbole die doppelten Anführungszeichen an einer beliebigen Stelle durch die gewünschten Zeichen ersetzt. Das gleiche ist gegebenenfalls mit einfachen Anführungszeichen zu wiederholen.

Mit Strg + C wird dann eines der unerwünschten Anführungszeichen in die Zwischenablage kopiert. In Bearbeiten → Ersetzen → Ersetzen kann der Inhalt der Zwischenablage anschließend mit Strg + V in das entsprechende Feld eingefügt werden. Danach darf nicht auf „Abbrechen“ geklickt werden, sondern erst einmal auf „Weitersuchen“ und danach auf „Abbrechen“. Jetzt wird das einzufügende Zeichen mit Strg + C kopiert und in Bearbeiten → Ersetzen → Ersetzen entsprechend mit Strg + V eingefügt. Über „Alle ersetzen“ können nun alle entsprechenden Zeichen korrigiert werden.

Wurden doppelte und einfache Anführungszeichen verwendet, muss diese Prozedur insgesamt vier Mal durchgeführt werden.

Alternativ lassen sich die richtigen Anführungszeichen natürlich auch gleich beim Schreiben einfügen, wenn das Einfügen über Einfügen → Symbol → Symbole als Makro aufgezeichnet und zukünftig mit einem Shortcut ausgeführt wird.

In LaTeX können doppelte Anführungszeichen als "` bzw. "' eingegeben werden. Einfacher ist es aber, das csquotes-Paket zu nutzen:

\usepackage[babel,german=guillemets]{csquotes}
\defineshorthand{"`}{\openautoquote}
\defineshorthand{"'}{\closeautoquote}
\begin{document}
"`Ein Satz mit einem "`Wort"'"'
\end{document}

Mit german=guillemets wird von den im Deutschen standardmäßig verwendeten Gänsefüßchen auf Guillemets umgeschaltet. Sollen doch deutsche Anführungszeichen verwendet, kann der Eintrag german=guillemets ersatzlos gestrichen oder in german=quotes verändert werden.

Die Entscheidung, ob ein öffnendes oder schließendes bzw. einfaches oder doppeltes Anführungszeichen gesetzt werden muss, liegt standardmäßig beim Anwender. Bei ineinander verschachtelten Zitaten erkennt das csquotes-Paket jedoch, ob es sich um ein doppeltes oder einfaches Anführungs- bzw. Abführungßeichen handeln muss. Wurde beim Schreiben ein Zeichen vergessen, wirft csquotes eine Warnung aus.

Dass deutsche und französische Anführungszeichen nicht gemischt eingesetzt werden, sollte selbstverständlich sein. Eine Ausnahme stellen fremdsprachige Zitate vor. Kommen in ihnen Anführungszeichen vor, bleiben sie unverändert erhalten.