Tonwertkorrekturen

Leseprobe aus „Buchsatz für Autoren – Vom Manuskript zum Buch mit Publishing on Demand“.

Einen ersten Eindruck von den Bildern vermittelt das sogenannte Histogramm, das in Gimp unter Dialoge → Histogramm zu finden ist. Ein Diagramm informiert über die Verteilung der Tonwerte vom hellsten bis zum dunkelsten Ton. Optimal sind Bilder, für die das Histogramm einen mäßig steil ansteigenden und wieder abfallenden Berg zeigt.

Türmen sich dagegen Berge am linken und rechten Rand, weist das Bild große, sehr dunkle und helle Bildpartien mit mangelhafter Durchzeichnung auf. Fehlen gar ganze Bereiche, handelt es sich um ein mehr oder minder flaüs Bild. Solche Bild zu „retten“, ist sehr aufwendig und vom Ergebnis her selten wirklich überzeugend. Fehlende Details lassen sich nun einmal nicht wiederbringen.

Bei Farbbildern lassen sich die einzelnen Farbkanäle getrennt betrachten.

Erfolgversprechender lassen sich Korrekturen ausführen, wenn an einem oder an beiden Ende des Diagramms Farben fehlen. Am besten geeignet ist hierfür die Tonwertspreizung durch eine Tonwertkorrektur. Sinn dieser Tonwertkorrektur ist es, ungenutzte Bereiche zu erschließen, indem der tatsächlich benutzte Bereich über die gesamte Breite von 0 bis 255 gespreizt wird. Aufgerufen wird sie über Werkzeuge → Farben → Werte. Bei Farbe sind auch hier wieder einzelne Kanäle möglich.

Manchmal reicht bereits eine automatische Korrektur über die Schaltfläche „Automatisch“. Auch das manülle Setzen des Weißpunktes (rechte Pipette) und des Schwarzpunktes (linke Pipette) kann hilfreich sein. Dies setzt allerdings voraus, dass es im Bild reinweiße oder tiefschwarze Stellen gibt; andernfalls gehen Bilddetails unwiderruflich verloren. Das korrekte Setzen des Graupunktes (mittlere Pipette) gelingt dagegen meistens nur bei Graustufenbildern, während es bei Farbbildern dafür sehr viel Erfahrung bedarf.

Häufig empfiehlt sich aber eine manülle Korrektur oder zumindest manülle Nachbearbeitung der automatischen Korrektur.

Für die manülle Korrektur werden die beiden Pfeile links und rechts unterhalb des Diagramms „Qüllwerte“ bis an die beginnenden Steigungen herangeschoben. Aber Vorsicht: Mit dem rechten Schieber werden gegebenenfalls auch die Lichter eines Bildes abgeschnitten. Da die Lichter natürlich erhalten bleiben sollen, ist dann besser nur der dunkle Bereich zu korrigieren.

Beim Drucken bereiten ganz helle wie ganz dunkle Stellen allerdings häufig Probleme. Sehr helle Bildpartien erscheinen schneeig-weiß ohne jede Zeichnung, ganz dunkle laufen dagegen schwarz zu und zeigen ebensowenig Bilddetails. Häufig empfiehlt sich deshalb, den Tonwertumfang für die Ausgabe leicht zu verringern. Dazu werden mit den Schiebern unterhalb des Balkens „Zielwerte“ die dunkelsten und hellsten Bereiche für die Wiedergabe entfernt. Die konkreten Werte hängen vom Papier und der Druckmaschine ab, doch haben sich als Durchschnittswerte für den linken „Zielwerte“ 12 und für den rechten 243 bewährt.

Allerdings werden dadurch auch bildwichtige weiße oder nahezu weiße Partien in einem hellen Grau ausgegeben; ein freundlicher hellblaür Himmel wird so leicht zu einem unfreundlichen hellgraün Firmament. In diesem Fall empfiehlt es sich, den rechten Wert auf 255 zu belassen und das Bild notfalls mit einer feinen Linie einzufassen.

Die Arbeit mit dem mittleren Regler ist dagegen sehr viel diffiziler. Mit ihm lässt sich die Helligkeitsverteilung regulieren. Besser als mit der Tonwertkorrektur geht dies über die Gradationskurven.

Zu erreichen sind die Gradationskurven unter Werkzeuge → Farben → Kurven. Auf der horizontalen Skala werden die Eingangswerte dargestellt, auf der vertikalen die Ausgangswerte.

Soll die Helligkeit verändert werden, wird die Diagonale in der Mitte mit der Maus gepackt und nach oben oder nach unten gezogen: Nach oben gezogen, wird das Bild heller, nach unten wird es dunkler.

Soll der Kontrast verändert werden, wird die Diagonale im ersten und vierten Viertel gezogen. Zur Kontrastverstärkung müssen die hellen Töne noch heller und die dunklen noch dunkler werden. Bei Farbbildern nimmt zugleich die Farbsättigung zu. Zur Abschwächung des Kontrastes werden die dunklen Töne heller und die hellen dunkler gezogen. Bei Farbbildern wird zugleich die Farbsättigung verringert.

Zweifellos ist die Bildbearbeitung über Tonwertkorrekturen und Gradationskurven aufwendig, und vermutlich fragen Sie sich längst, warum Sie nicht einfach über Farben → Helligkeit/Kontrast gehen sollen. Doch dieser scheinbar viel einfachere Weg hat einen gravierenden Nachteil: Er verschiebt kurzerhand das gesamte Histogramm nach links oder rechts und schneidet die nun „überstehenden“ Bereiche ab. Das gleiche geschieht auch bei Bearbeitungen über Farben → Farbton/Sättigung. Die Folge ist jedesmal die gleiche: Es gehen unnötigerweise Bildinformationen verloren. Gleichzeitig lassen sich auf diesem Wege viel weniger differenzierte Änderungen vornehmen.

Sind Sie mit den Ergebnissen ihrer Korrekturen nicht zufrieden, bearbeiten Sie die bereits korrigierten Bilder kein zweites Mal über die Tonwertspreizung und Gradationskurven. Besser ist stattdessen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Veränderungen in mehreren Schritten führen meistens zu unnötigen Qualitätseinbußen.